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Innovative Freizeitkonzepte

eSports Camp im CVJM München

 

Simon Mirikian, einer der Leiter für die Jugendarbeit im CVJM München, veranstaltete dieses Jahr deutschlandweit das erste eSports Camp. Die Freizeit dauerte eine Woche und wurde von elf Teilnehmern besucht, die gemeinsam das Spiel Counter Strike Global Offensive spielten.  Wir haben Simon kontaktiert und mit ihm über die Freizeit und die Jugendarbeit der Zukunft gesprochen.

 

 

1. Woher kam die Idee zum eSports Camp?

 

Über die Frage, wie man das Evangelium heute noch an den Mann oder in meinem Fall an die Jugendlichen bringen kann. Uns ist bewusst, dass die Jugendlichen nicht immer automatisch zu uns in Gruppen und Angebote kommen, insbesondere die von außerhalb, die nichts mit dem CVJM zu tun haben. Diejenigen in unserem Dunstkreis können wir gut erreichen, aber wie schaffen wir es auch die anderen, die uns und unsere Arbeit noch nicht kennen, für uns zu gewinnen? Ein Aspekt liegt da ziemlich auf der Hand: Viele junge Leute, vor allem Jungs, verbindet heutzutage das Computerspielen. Daher habe ich mich gefragt, ob man das nicht nutzen und neue Leute catchen und darüber auch das Evangelium transportieren kann. Außerdem kommt noch dazu, dass es auch eine Leidenschaft von mir ist.

 

 

2. Wie lief das Camp ab?

 

Das Camp war eine Woche lang, in der die Jungs in einem unserer CVJM Häuser untergebracht waren. Sie haben dort übernachtet, selbst gekocht und Gemeinschaft gelebt. Die Tage haben wir gedrittelt: Ein Drittel war Training des Computerspiels, ein Drittel Wettkämpfe im Spiel und ein Drittel haben wir ganz bewusst nicht zum Computerspielen genutzt. In diesem Drittel gab es dann Verkündigungen oder Sport in der Halle. So gab es ganz bewusst auch Zeiten zum Austauschen, für Gespräche und sportliche Aktivitäten, die beim Computerspielen vielleicht ein wenig verloren gehen. Außerdem haben wir mit den Jungs auch das Thema Computersucht und Medienkompetenz behandelt. Zusammen mit dem Übernachten und gemeinsamen Kochen war das echt eine coole Kombination, die viel hergegeben hat.

 

 

3. Was ist dein Fazit zum eSports Camp? Würdest du es wieder veranstalten?

 

Ja, ich bin gerade schon am Planen für die nächste Freizeit. Letztes Jahr haben wir das Camp an Pfingsten veranstaltet. Aber weil da das Wetter meistens so gut ist, habe ich ein schlechtes Gewissen. Daher planen wir das nächste wahrscheinlich über Ostern, in der zweiten Osterferienwoche.
Das Fazit war mega positiv. Man möchte Leute catchen, die eine gemeinsame Leidenschat oder ein gemeinsames Hobby haben. Das ist quasi äquivalent zu einem „normalen“ Sportcamp. Wir haben aber auch festgestellt, dass die Einstiegshürde relativ hoch ist. Denn alle, die sich anmelden, sind gleich mit Übernachtung dabei. Daher wollen wir für das nächste Mal stufenweise verschiedene Angebote aufbauen. Unsere Idee ist es, dass wir eine verbindliche Gruppe gründen, die sich alle zwei Wochen sonntagabends online zum Spielen verabredet. Alle sechs Wochen möchten wir eine Art One-Day-Camp veranstalten, an dem sich die Gruppe an einem Ort zum gemeinsamen Spielen trifft. Morgens wird aufgebaut, ein wenig gespielt, mittags kochen wir gemeinsam und abends bauen wir wieder ab. Und einmal im Jahr folgt dann das große Camp mit Übernachtung. Mit diesem Konzept wollen wir erreichen, dass die eSports-Arbeit lebt und nicht nur einmal im Jahr stattfindet und somit auch in unserer Jugendverbandsarbeit einen festen Platz bekommt.

 

 

4. Wie hast du es geschafft christliche Inhalte mit eSports zu verbinden?

 

Die christlichen Inhalte waren ja fest im Programm verankert. An drei Tagen in der Woche haben wir einen inhaltlichen Schwerpunkt gesetzt. In Form eines Gebetsspaziergangs und des Besuchs eines Lobpreisabends.
Eine Verkündigung hat jemand von Main Quest übernommen, ein Verein, der sich der Idee verschrieben hat, den christlichen Glauben und die Nerd Culture zusammen zu bringen. Die Verkündigung bestand aus einem persönlichen Lebenszeugnis, wie er im Computerspielen Jesus entdeckt und es mit dem Glauben verbunden hat.
Natürlich kommen auch wieder die Gespräche und die Gemeinschaft beim Essen dazu, die eine große Stärke der Übernachtung sind.

 

 

5. Wie schaffst du es mit dem Angebot für Jugendliche im CVJM am Puls der Zeit zu bleiben?

 

Einerseits fragen wir die Jugendlichen, mit denen wir in Verbindung sind, worauf sie Lust haben und wo sich auch ihre Freunde einbringen würden. Andererseits schauen wir natürlich auch, wo Hobbies und Leidenschaften sind, die man verbinden kann. Das gilt auch für unsere Jugendleiter. Und dann gehen wir auch auf den Markt oder die Not in der Stadt ein. Gibt es irgendwo ein Bedürfnis, wofür noch kein Angebot vorhanden ist? Fußballvereine zum Beispiel haben wir genug, da müssen wir nicht mitmischen. Fußballvereine ohne Ligabetrieb aber gibt es in München fast gar nicht. Viele Eltern sind dafür dankbar, dass ihr Kind Training bekommt, sie aber nicht jedes Wochenende am Spielfeldrand stehen müssen. Trotzdem ist es auch immer wieder herausfordernd am Puls der Zeit zu bleiben und sich zu überlegen, was Jugendliche brauchen. Oft benötigen sie ja auch etwas, von dem sie gar nicht wissen, dass sie es brauchen. Wenn wir beispielsweise Freizeiten veranstalten, erleben die Jugendlichen dort etwas, das ihre Persönlichkeit stärkt, ohne dass sie wahrscheinlich davor wissen, dass ihnen diese Form von Freizeit taugt.

 

 

6. Was sind die Chancen und Möglichkeiten in der Kombination eSports mit Glauben?

 

eSports ist für mich ein Sport, mit dem man Leute verbinden kann, die ein gemeinsames Hobby haben. Damit haben wir auch einen Markt gefunden, bei dem Bedarf aber noch nicht viele andere Angebote vorhanden sind. Inzwischen gibt es zwar immer mehr eSports Vereine, aber nach wie vor ist dieser Sport noch recht jung. Und so wie der CVJM viele Sportartenangebote, wie zum Beispiel Basketball, hat, wollen wir auch in den digitalen Sportbereich investieren, weil es da noch wenig gibt und wir von Anfang an etwas prägen und mitgestalten und unseren Glauben mit hinein geben können.

 

 

7. Welche Herausforderung siehst du in der heutigen Zeit in Bezug auf Programm für Jugendliche?

 

Wir dürfen keine Angst davor haben neue Wege einzuschlagen. Für das eSports Camp musste ich auch mehr Gespräche führen, als wenn ich jetzt ein „normales“ Sportcamp veranstaltet hätte. Es war zwar niemand direkt dagegen, aber es waren aufklärende Gespräche mit manchen Leuten notwendig, die sich nicht vorstellen konnten, was wir in der Woche machen und was unsere Überzeugung ist. Außerdem gibt es ja auch viele Vorurteile gegenüber dem Computerspielen und häufig damit einhergehend die Frage nach einer Sucht (die in den meisten Fällen unbegründet ist). Daher habt Mut zum Risiko, auch mal etwas auszuprobieren, von dem ihr nicht sicher seid, ob es funktioniert. Habt den Mut Testpiloten zu fahren, auch ohne Erfolgsgarantie.
Zudem ist es immer wichtig das zu machen, wofür man selbst ein Herz hat. Wenn niemand eine Leidenschaft für ein bestimmtes Thema besitzt, bringt es nichts da zwanghaft ein Programm für Jugendliche aufzubauen. Da springt der Funke nicht über. Es begeistert vielmehr Jugendliche, wenn ihr etwas auf die Beine stellt, wofür ihr einen Herzschlag und eine Gabe habt.
Trotzdem besteht die Herausforderung unsere Angebote immer wieder an den Mann zu bekommen. Wir haben super Angebote und Freizeiten aber oft erreichen wir damit nicht die Jugendlichen. Wie also schaffe ich es, dass die Jugendlichen die Angebote mitbekommen? Wie mache ich Werbung für die einzelnen Veranstaltungen? Welche Marketingstrategie verfolge ich?
Und zu guter Letzt brauchen wir den Mut das Evangelium nicht verstecken zu wollen. Oft habe ich das Gefühl, dass viele Verkündigung in ihrem Programm weglassen, weil sie glauben, dass das die Jugendlichen abschreckt. Ich persönlich aber glaube, dass das Evangelium mega attraktiv ist und wir es deshalb nicht rausklammern sollen. Auf keinen Fall sollten wir uns dessen schämen, was wir haben. Wir sollten mutig dazu stehen, was wir leben wollen, und zeigen, was wir zu bieten haben. Wir haben die lebensverändernde Kraft des Evangeliums und dahinter sollten wir uns nicht verstecken. Ich will, dass das Evangelium von Jesus die Jugendlichen erreicht und ihr Leben verändert.

 

 

Lisa Nentel

BFDlerin im CVJM Bayern