Uni-Y

Uni-Y: Das CVJM-Netzwerk für Studierende

Jedes Jahr verlassen unzählige junge Menschen ihre Heimat, um in der Stadt Studium oder Ausbildung zu beginnen. Unter ihnen auch viele CVJMer – tatkräftige Mitarbeitende und treue Teilnehmende. Doch was passiert mit ihnen? Die Erfahrung zeigt: Nur wenige von ihnen finden den Weg in die CVJM in den Uni-Städten.

Alle Infos dazu findest du auf der Webseite des CVJM Deutschland.

NEU ab 2021! Uni-Y an der Hochschule

Wir gehen als CVJM dorthin, wo die jungen Menschen sind: an die Hochschulen, machen dort für Studierende relevante Angebote, dienen den jungen Erwachsenen auf ganzheitliche Weise und stärken damit zukünftige Leiterinnen und Leiter für die Gesellschaft und den CVJM.

 

Mit „UNI-Y“ erreicht der Chinese YMCA of Hong Kong eine unglaubliche Anzahl von Studierenden an Hochschulen (jedes Jahr über 5000). Der CVJM Nürnberg-Kornmarkt hat vor einigen Jahren diese Idee aufgenommen und in Deutschland bereits einen erfolgreichen Versuch gestartet, dieses Konzept auf unsere Situation zu übertragen.

 

Nun wollen wir mit fünf Pilotprojekten in Uni-Städten mit einem CVJM vor Ort, die bis Juni 2020 gesucht werden, durchstarten.

 

Weitere Infos erhältst du über:

1. zwei online Treffen (zusammen mit der AG der CVJM Deutschland)

Mittwoch, 01.04.2020 um 20:00
Montag, 20.04.2020 um 20:00

2. Uni-Y-Video-Imagefilm vom Chinese YMCA of Hong Kong

3. Uni-Y Info Präsentation

4. Uni-Y Artikel aus dem "Baugerüst" zum Download von Michael Götz

 

 

Uni-Y – eine inspirierende Studentenbewegung

im Chinese YMCA of Hong Kong und bald auch in Deutschland?

Hong Kong 2019 – Hunderttausende friedliche Demonstranten inmitten der Hochhäuser-Schluchten, gewalttätige Straßenschlachten mit brennenden Barrikaden, überforderte Polizisten, Politiker und Bürger in einer emotional überhitzten Atmosphäre – und mittendrin der University-YMCA mit seinen über 5000 Studierenden, die miteinander durchbuchstabieren, was es heißt soziale Verantwortung in die Tat umzusetzen. Wie es weitergehen soll in dem Konflikt der beiden politischen Systeme, die in der Mega-Metropole aufeinander stoßen, weiß keiner so richtig. Aber das hindert Uni-Y nicht daran, ihre Programme anzupassen und weiter umzusetzen. Jetzt vielleicht wichtiger als je zuvor.

 

Doch fangen wir von vorne an …

Die erste Uni-Y Gruppe entstand 1856 in den USA an der Cumberland-Universität – 800 weitere folgten in den States, von denen heute noch 20 existieren. 1885 schwappte durch amerikanische Missionare die Uni-Y-Idee dann auch über den Pazifik nach China. Schnell entstanden 125 chinesische Uni-Y meist an YMCA-eigenen Colleges, die dann alle nach der Gründung der kommunistischen Volksrepublik im Jahr 1949 ihre Arbeit einstellen mussten.

Doch 2003 war es wieder soweit und einige Verantwortliche im Chinese YMCA of Hong Kong (CYMCAHK) starteten die Uni-Y-Arbeit mit einem ganz neuen Konzept. Mit einer einfachen Frage überlegten sie, wie sie den jungen Erwachsenen an den Universitäten dienen können und diese lautete: Was brauchen Studierende später in der Berufswelt und was wird an den Unis wenig oder nicht gefördert? Sie erhielten auf diese Frage drei Antworten. Sie sind bis heute die Grundpfeiler des Uni-Y-Konzepts, um zukünftige Führungskräfte in allen Bereichen der Gesellschaft fit zu machen:

  • Förderung der Persönlichkeit (Character Building, Youth Leadership, Meaning of Life, Creativity)
  • soziale Verantwortung (Social Responsibility, Passion for Service)
  • Leben in einer globalisierten Welt  (Global Citizenship, Global Outlook).

 

Ein Win-Win-Win-System

Jeder Anfang beginnt klein und so war es auch 2003 beim Start einer ersten Uni-Y Gruppe an der Baptist University. Der Erfolg des Konzepts sprach sich schnell herum und eine Uni nach der anderen mit ihren insgesamt 95.000 Studierenden wurden Partner vom CYMCAHK. Von 2003 bis 2013 gründeten sich an allen zehn Hochschulen und zwei Colleges jeweils eine Uni-Y Gruppe. Das Besondere daran ist, dass die jeweilige Hochschule als Vertragspartner Versammlungsräume, ein Büro und den Zugang zu Netzwerken und Werbemöglichkeiten an der Uni zusichern. Umgekehrt garantiert der YMCA Personal und ein Programm, welches den Studierenden praktische Erfahrungen und experimentelles Lernen in der lokalen sozialen Arbeit und dem weltweiten CVJM-Netzwerk ermöglicht. So entstand ein Win-Win-Win-System für Studierende, die Hochschulen und  die YMCA Arbeit mit jungen Erwachsenen. Dies ist bis heute sicherlich neben dem höchst engagierten Uni-Y-Personal der Schlüssel zu dem Erfolg. Von Anfang an profitierten alle Beteiligten durch die Uni-Y-Arbeit und förderten sie dementsprechend.

 

Ein paar interessante Grundprinzipien …

  1. Uni-Y ist eine Arbeit von Studierenden für Studierende (Student-run Organization). Jede Gruppe organisiert sich selber und gewinnt immer aus den dazu gewonnenen Erstsemestlern die Vorstandschaft, die dann genau für ein Jahr die Leitung innehat. Die höheren Semester bleiben als aktive Teilnehmer und Mentoren mit an Bord und unterstützen die Erstsemestler. So erneuert sich jedes Jahr die Leitung und es kommen ständig frische unverbrauchte Ideen in die Gruppe und ihre Programme. Die Beständigkeit bleibt aber durch die aktive Begleitung der höheren Semester gewährleistet.
  2. Für jeden Studierenden gibt es durchgehend höchst partizipative und attraktive Entwicklungsmöglichkeiten seines Engagements. Neben der Mitarbeit in der lokalen Uni-Y-Gruppe, kann man sich im universitäts-übergreifenden Netzwerk oder in internationalen Partnerschaften aktiv einbringen. Selbst nach der Hochschulzeit bleiben viele in der Alumni-Association und unterstützen die Uni-Y-Gruppen an den Hochschulen bzw. entwickeln Programme für die Berufswelt.
  3. Das Uni-Y-Personal an den Hochschulen, welches durch die Büros dort ständig präsent ist, trifft sich wöchentlich oder zwei-wöchentlich mit jeweils einer Studierenden-Gruppe und entwickelt mit ihnen zusammen ihr Projekt in den Bereichen Persönlichkeitsentwicklung, soziale Verantwortung oder Leben in einer globalisierten Welt. An einer Uni gibt es in der Regel mehrere Uni-Y-Gruppen, die verschiedene Projekte umsetzen, aber durch eine gemeinsam gewählte Vorstandschaft zusammen gehalten werden. Um die selbst entwickelten Projekte umsetzen zu können, hilft das Uni-Y-Staff den jungen Erwachsenen an die notwendigen Ressourcen innerhalb der Uni und die Partner in der sozialen oder internationalen Arbeit heran zu kommen. Zudem bringen sie die Studierenden in Kontakt mit dem YMCA als Organisation und seinen Programmen und Zielen. Nicht wenige von den jungen Hauptamtlichen waren selbst als Studierende in Uni-Y engagiert.

 

Praktisch sieht das so aus im Alltag …

  1. Mit Beginn des Semesters gibt es von der Hochschule empfohlene Erstveranstaltungen, die von motivierten Uni-Y-Studierenden attraktiv gestaltet werden. Es wird eingeladen sich in Uni-Y zu engagieren, indem man die letztjährigen Projekte präsentiert und dazu einlädt, selbst etwas mit anderen zusammen zu entwickeln. Zudem wird erklärt, dass sie als Erstsemestler sofort die Leitung einer Uni-Y-Gruppe übernehmen sollen und die höheren Semester sie dabei unterstützen.
  2. Mit Team Building Aktionen findet die sich neu formierte Gruppe nach den Erstveranstaltungen zusammen, um dann in einem intensiven Youth Leadership Training die Neuen fit zu machen, damit sie die Leitung übernehmen können. In diesen Trainings geht es wesentlich darum, wie sie ihre Potentiale und Kompetenzen entdecken, freisetzen und als junge verantwortungsbewusste Führungskräfte in den Dienst an der Gesellschaft lokal und weltweit einbringen können. Zentrale Themen sind Visionen entwickeln, Kreativität zu entfalten, Leidenschaft zu entwickeln und sich in Entscheidungsprozessen aktiv und reflektiert einzubringen. Großer Wert wird bei allen Trainings auf die Stärkung der Selbständigkeit der jungen Erwachsenen gelegt.
  3. Dann geht es so richtig los mit dem Entwickeln und der Umsetzung von den Programmen. Zuerst muss man sich auf eine Richtung einigen und da gibt es z.Zt. folgende:
  1. Aktionen an der Hochschule (z.B. Charity-Aktionen, Unterstützung von Hochschul-Austauschprogrammen)
  2. Soziale Dienste und Innovationen in Hong Kong (z.B. in Seniorenheimen, Obdachlosen- oder Behinderteneinrichtungen, Frauenhäusern, Umweltprojekten)
  3. Auslands-Workcamps und Studienreisen (z.B. Workcamp mit deutschen Studierenden in Roma-Siedlungen in Rumänien, Hilfseinsatz in einem Waisenheim in Kambodscha)
  4. Meinungsbildung im globalen Kontext (z.B. Organisation von internationalen Konferenzen zu bestimmten Gesellschaftsthemen wie Kinderrechte, Klimawandel, Flüchtlingsprobleme)
  5. Alumni-Aktionen (z.B. soziale Dienste, Professionalisierung)
  6. Christian Action – missionarisch-diakonische Einsätze (z.B. Outdoorcamps, Einsatz für Drogenabhängige)

Wenn klar ist, in welche Richtungen man ein oder mehrere Projekte in der Uni-Y-Gruppe an der Hochschule entwickeln will, dann fängt man an, sich erst zu erkundigen, um dann miteinander zu beraten, wie und wo man sich gemeinsam einbringen will. Nach diesem kreativen Entscheidungsprozess müssen die Projekte Schritt für Schritt vorbereitet, umgesetzt und reflektiert werden.

Inzwischen gibt es besonders bei den internationalen Einsätzen (z.Zt. jährlich 55 Trips mit ca. 800 Teilnehmenden) auch viele Angebote, die im Miteinander mehrerer Hochschulen angeboten werden. Diese werden dann auch nicht von einer Uni-Y-Gruppe entwickelt, sondern von dem Hauptamtlichen-Team an den verschiedenen Unis angeboten.

 

Zutiefst missional

Die Programme sind bis auf „Christian Action“ säkular und müssen das auch im Hochschul-Kontext sein. Die Unis in Hong Kong achten sehr auf die Trennung von Staat und Kirche, Wissenschaft und Glaube. Der YMCA hätte keine Chance an die Hochschulen zu kommen, wenn er nach außen klar erkennbare christliche Angebote anbieten würde. Deswegen hat man sich unter dem chinesischen YMCA Slogan „Serve not to be served“ (Markusevangelium 10, 43-45) wie auch in anderen diakonischen Projekten darauf festgelegt, schlicht den Menschen – in diesem Fall den Studierenden – in Jesu Namen zu dienen. Somit arbeiten Christen und Nicht-Christen Hand in Hand bei Uni-Y zusammen und engagieren sich für die jungen Erwachsenen, die später als Führungskräfte in der Wirtschaft, den Banken, der Industrie, dem Sozialwesen etc. die Gesellschaft prägen werden.

Dabei wird das „C“ im YMCA nicht verschwiegen, sondern es kommt durch leidenschaftliche Christen in der Leitung von Uni-Y und in den Gruppen immer wieder auf den Glauben an Jesus Christus. Dies geschieht ganz unterschiedlich:

  1. Eine Uni-Y-Gruppe fährt nach Rumänien in ein Workcamp zur Unterstützung einer Roma-Siedlung. Dort treffen sie auf Christen, die in sehr überzeugender Weise sich mit ihrem ganzen Leben für diese Roma-Siedlung einsetzen. Sie erleben, wie sie aus dem Gebet und ihrer persönlichen Beziehung zu Jesus heraus ihre Kraft beziehen, um die Liebe Gottes in eine fast aussichtslose Situation hinein zu bezeugen. Diese Erfahrung – habe ich selber erlebt – ist stärker als jedes theoretische Diskutieren über den Glauben und nicht wenige Studierende sind dort schon zum Glauben gekommen.
  2. Im sozialen Engagement in Hong Kong passiert dies ebenfalls häufig, dass die Studierenden auf engagierte Christen stoßen, die sich zeugnishaft in die Gesellschaft einbringen. Dies bringt die jungen Erwachsenen zum Nachdenken und nicht wenige haben so schon angefangen, sich erstmalig mit dem christlichen Glauben intensiv auseinander zu setzen.
  3. Die Christen unter den Studierenden spielen als lebendige Zeugen eine sehr wichtige Rolle, da sie durch die entstehenden Freundschaften mit ihren Kommilitonen über den Glauben ins Gespräch kommen und sie auch in ihre Gemeinden einladen. Von daher werden besonders auch die Christen in Uni-Y ermutigt sich mit ihrem Glauben an Jesus Christus auf eine natürliche und authentische Art und Weise einzubringen.

 

Wie Uni-Y in Deutschland adaptieren …

Von 2013 bis 2016 gab es eine aktive Uni-Y-Gruppe in Nürnberg an der Evangelischen Hochschule mit Anne Sophie Köhler, die als Staff-Exchange die Arbeit in Hong Kong vor Ort kennen gelernt hat. Trotz des erfolgreichen Starts konnte die Arbeit nach dem Weggang von Anne Sophie nicht verstätigt werden. Das hatte verschiedene Gründe, aber keine, die uns entmutigen sollen, nicht noch einen neuen Anlauf zu probieren.

Im Jahr 2020 wollen wir als eine deutschlandweite CVJM-Projektgruppe drei bis sieben Vereine finden, die sich vorstellen können, Uni-Y bei sich zu starten. Mit ihnen wollen wir im Februar 2021 nach Hong Kong fliegen und uns vor Ort die Arbeit anschauen. Im Sommer 2021 kommen dann einige Uni-Y-Gruppen nach Deutschland, um Multiplikatoren zu motivieren und auszubilden. Der Start von hoffentlich gleich mehreren Uni-Y-Gruppen an verschiedenen Hochschulen könnte im Herbst 2021 erfolgen. Schon jetzt gibt es ein Uni-Y-Netzwerk für junge Erwachsene, um beim Umzug in eine andere Stadt schnell wieder Anschluss an einen CVJM  zu bekommen.

Ich persönlich bin sehr gespannt, was Gott in den nächsten beiden Jahren bewegen wird und ob die Uni-Y-Arbeit sich in Deutschland adaptieren lässt. Dies wird stark davon abhängen, ob sich Verantwortliche dafür begeistern lassen, zukünftige Führungskräfte in unserer Gesellschaft an den Hochschulen mitzuprägen.

 

Michael Götz