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Als Christen politisch sichtbar werden

Zu denken christlicher Glaube und politisches Handeln schließe sich gegenseitig aus ist ein Irrglaube, im Gegenteil, es bedingt sich gegenseitig. Die Frage, die wir uns als christlicher Jugendverband eher stellen sollten ist, ob wir überhaupt bereit sind unserer politischen Verantwortung gegenüber jungen Erwachsenen gerecht zu werden und wie wir mit den gesellschaftspolitischen Themen unserer Zeit umgehen wollen.

 

CVJM Magazin 04|21 Dateien, Bilder

 

Was bedeutet politisches Engagement für junge Erwachsene heute? Gerade
im Wahljahr 2021 eine Frage mit gewisser Brisanz. Die Antwort liegt zwischen, angesichts der sich durch die Parteienlandschaft ziehenden Skandale und Untätigkeit in wichtigen politischen Themenfeldern völlig nachvollziehbarer Politikverdrossenheit und übersteigertem Aktionismus, der von Schule schwänzen für den guten Zweck, bis hin zu politischen Straftaten reicht. Die Spanne zwischen beiden Extremen ist offensichtlich und doch sind beide ein
Ausdruck derselben Frustration und Hilflosigkeit in gesellschaftspolitischen
Themen.

Das Interesse besteht, keine Frage, was fehlt, ist der gesunde Mittelweg. Wo ist das Verständnis für verschiedene Positionen und Meinungen, der gepflegte Austausch? Auch wir als christlicher Jugendverband dürfen uns hinterfragen: Wie stehen wir dazu als gläubige Christen politische Verantwortung zu übernehmen? Wie gehen wir mit den, für uns unangenehmeren Themen, wie Nachhaltigkeit, Fragen sozialer Gerechtigkeit oder LGBTQ+-Rechten um?
Nur zu gerne unterschätzen wir die Sprengkraft, die gerade solche unangenehmen Themen dort, wo keine Brücken zwischen verschiedenen Meinungen entstehen, haben werden. Es ist
realitätsfern zu glauben, dass persönlicher Glaube und politisches Handeln trennbar sind, christliche Werte beeinflussen natürlich das Wahlverhalten.
Jedoch darf es nicht darum gehen eine absolute politische Meinung zu propagieren, wir sind keine Partei mit Wahlprogramm. Im Gegenteil, die Stärke des CVJM lag schon immer in der integrativen Vielfalt der Meinungen und Persönlichkeiten aller Mitglieder. Glaube, wie
politische Meinung, ist höchst persönlich. Trotzdem braucht es Plattformen für den Austausch, um in beidem wachsen zu können. Hier müssen wir uns als christlicher Jugendverband fragen, ob wir dieser Verantwortung gerecht werden wollen.


Warum reden Christen so wenig über Politik? Scheuen wir unangenehme Themen, weil wir die, durch solche Diskussionen ausgelöste Spannung, nicht aushalten wollen? Dabei sollte
doch gerade ein christlicher Jugendverein den Anspruch haben, am Puls der Zeit zu bleiben und auf die thematischen Bedürfnisse der Jugend einzugehen. Eine Gemeinschaft lebt von
respektvollem Meinungsaustausch und junge Menschen müssen befähigt werden, sachlich und respektvoll in einen politischen Diskurs zu treten und zu mündigen Bürgern und Bürgerinnen und Christen und Christinnen heranzuwachsen.
Jesus war für manche Zeitgenossen unbequem, geradezu revolutionär. Demnach bedeutet Christsein sich sozial für den Nächsten zu engagieren und auch, sich zu unbequemen Themen klar zu positionieren. Für uns sollte dies bedeuten, dass wir uns aktiv mit gesellschaftspolitischen Fragen unserer Zeit auseinandersetzen und politische Partizipation leben. In Deutschland haben wir das Privileg der Glaubens- und Meinungsfreiheit und dürfen als gläubige Christen politisch sichtbar sein. Christsein und Politik, wie Jugend und politische Partizipation, schließen sich nicht gegenseitig aus, sie bedingen sich.

 

Jaqueline Polig
hat Politik und Sinologie studiert,
CVJM Nürnberg