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Radikalisierung spaltet - CVJM verbindet.

Der CVJM hat es sich auch zur Aufgabe gemacht in der Gesellschaft zu interagieren.
Grade in der Arbeit mit Jugendlichen und Jungen Erwachsenen wird es mehr und mehr zum Thema. Deswegen kommt bald die Handreichung zur Radikalisierungsprävention.

 

CVJM Magazin 04|21 Dateien, Bilder


Einmal wieder sitze ich sprachlos vor dem Fernseher. Was ich sehe, sind unerträgliche Bilder von scheinbar normalen Menschen, Menschen, die lauthals rechte Parolen wie »Juden raus!«
skandieren – und dabei ohne Scham in die Kameras lachen.
Kurze Zeit später, ein Mitarbeitergespräch im CVJM. Jemand, den ich schon lange und gut kenne, erklärt mir nachdrücklich, warum es den CoronaVirus nie gegeben hat und was Bill Gates damit zu tun hat. Eine FFP2-Maske wird er, auch im Vereinshaus, auf keinen Fall tragen. Und wieder stehe ich fassungslos und sprachlos da.

Gerade meine Sprachlosigkeit ärgert und verunsichert mich, denn ich spüre, hier sind dringend Antworten nötig! Uns Christen ist es doch ein Anliegen, die Gesellschaft positiv, mit
Perspektive zu prägen – und ich? Ich bin sprachlos …


Radikalismus und Polarisierungen breiten sich in allen Bevölkerungsschichten aus. Neben den politischen Strömungen des Rechts- und Linksradikalismus, neben dem radikalen
Islam müssen wir auch über christlichen Radikalismus nachdenken. Auch hier begegnen uns Menschen und Aussagen, die nicht in Liebe und Freiheit führen, sondern ins Gegenteil. Und,
durch die Pandemie neu befeuert, treffen uns auch Verschwörungstheorien, die es zugegebenermaßen schon immer gab, aber jetzt nehmen sie neue Dimensionen an. Natürlich soll auch keiner von der anderen Seite vom Pferd fallen und jedes kritische Nachfragen zu Gesetzen und Maßnahmen gleich als Verschwörung abtun…


In all diese Überlegungen hinein bekam ich eine Einladung zu einem ThinkTank, den Michael Götz mit dem Familienministerium zusammen ins Leben gerufen hat. Ziel: »Wie kann man der zunehmenden Radikalisierung in der Bevölkerung begegnen?« Zwölf hauptamtliche Mitarbeitende aus den bayerischen CVJM haben sich zusammen mit einem Coach dem Thema gewidmet. Und zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass auch ich als Einzelperson etwas tun kann – keiner ist dem hilflos ausgeliefert!

Wir haben Experten zum Thema gehört, Fachliteratur gewälzt, uns ausgetauscht und diskutiert…

Besonders ein Fachartikel des Bayerischen Rundfunks hat mich sehr bewegt und ermutigt. Er vergleicht Verschwörungstheorien mit Suchtverhalten und leitet daraus konkrete Handlungsempfehlungen ab. Schweigen hilft nicht, ebenso wenig, wie diese ins Lächerliche zu ziehen. Auch schnelle Diskussionen zwischen Tür und Angel helfen nicht.

Aber, wir können Menschen, die tief in solchen Theorien stecken, begleiten und uns ihren Ängsten widmen und sie auf dieser Basis damit konfrontieren – eben genau wie man einem Süchtigen begegnen würde.


Aus all dem wird im September eine Arbeitshilfe erscheinen. Wir haben erkannt, man kann Radikalisierung und Polarisierung begegnen, und das wollen wir möglichst vielen Menschen zugänglich machen. Hier sind neben einem multimedialen Check, ob in der eigenen Gruppe Radikalisierungstendenzen aufkeimen, auch Unterrichtseinheiten für Lehrer, Gruppenstunden
zum Thema zu finden sowie Seminarvorschläge für Vorstände und Gruppenleiter, Freizeitmaßnahmen und eine biblisch-theologische Annäherung,... - also eine rundum praktische Handlungshilfe.
Ich bin sehr froh und dankbar, in dieser Zeit erfahren zu haben, dass mich Radikalisierung und Polarisierung nicht sprachlos zurücklassen müssen –lasst es uns gemeinsam anpacken und ansprechen!

 

Niels Damm,

hat evangelische Theologie studiert

und arbeitet heute im CVJM München