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Ein Wiedersehen

Als Geflüchtete sind Gaby und Omar vor einigen Jahren aus Syrien nach Deutschland gekommen. Nachdem sie in Nürnberg Kontakt zum CVJM gefunden haben, machten Sie eine Ausbildung am CVJM-Kolleg in Kassel. Gerade befinden sich beide im Anerkennungsjahr und wir wollten wissen, wie es den beiden gerade ergeht, wo sie zu finden sind und haben nette Gedanken im SmallTalk gefunden. Omar arbeitet heute in einer Wohngruppe in Hamburg. Gaby ist in einem Kindergarten zurück in Nürnberg.

 

Wo lebt ihr gerade?

Omar: Ich bin jetzt in Hannover, in Großbuchholz. Ich mache dort mein Anerkennungsjahr in einer Wohngruppe mit Kindern von 6-12 Jahren. Wir haben Schichtarbeit, da die Wohngruppe 24 Stunden lang betreut wird.

Gaby: Ich lebe in Nürnberg und arbeite im Kindergarten der evangelischen Kirche Sankt Matthäus.

Welche Veränderungen gab es für dich in den letzten 1 1/2 Jahren?

Omar: Die Jobsuche war eine Herausforderung, da viele Einrichtungen nicht wussten wie es weiter geht. Für das Anerkennungsjahr mussten wir aber eine Stelle finden. Für welche Stadt wir uns am Ende entscheiden war nicht so leicht, weil nicht nur meine Meinung zählte, sondern auch die meiner Freundin.

Wie kam es bei dir, Gaby, dass du wieder nach Nürnberg kamst?

Gaby: In Nürnberg kenne ich viele Leute, meine Eltern sind auch in Nürnberg, was ein sehr wichtiger Teil ist. Ich hatte auch die Möglichkeit in Esslingen bei einem CVJM zu arbeiten, aber ich habe mich für die Eltern und Freunde entschieden. Die Stelle in Nürnberg war einfacher zu finden, weil ich bei der gleichen Kirche schon mein Praktikum gemacht habe.

Welche Erfahrungen habt ihr in letzter Zeit mit Gott gemacht?

Omar: Ich habe in meiner Ausbildung vieles dazu gelernt. Vorher hatte ich alles nur gehört und in den letzten drei Jahren in Ausbildung hatte ich die Möglichkeit Fragen zu stellen. Ich konnte wirklich jede Frage stellen und habe Antworten bekommen. Gleichzeitig ist aber immer noch viel offen. Ich glaube man kann nicht alles lernen in einer bestimmten Zeit, man lernt im Laufe des ganzen Lebens.

Wie lebt ihr euren Glauben gerade?

Omar: Es ist schwierig hier eine Gemeinde zu finden, weil die Gottesdienste immer noch Beschränkungen haben. Das Schwierigste daran ist eine Gemeinde zu finden, wo man hin geht und sich willkommen und angenommen fühlt. Uns ist auch wichtig gute Beziehungen zu den Menschen zu haben. Wir schauen stattdessen zusammen online Gottesdienste von unserer alten Gemeinde, entweder von Nürnberg oder von Kassel.

Gaby: Manchmal schaue ich den Livestream vom CVJM. In Nürnberg habe ich auch mit einem Hauskreis angefangen mit dem ich mich bis jetzt 2-3 Mal getroffen habe. Außerdem beten wir mit den Kindern immer kurz vor dem Essen. Man muss nicht immer eine halbe Stunde beten. Wenn ich die Möglichkeit habe, dann gehe ich auch gerne zu Gottesdiensten.

Welche berufliche Perspektive habt ihr nach dem Anerkennungsjahr?

Gaby: Ich werde den Kindergarten leider verlassen und zu einer anderen Arbeit wechseln. Ich hätte gerne so eine Stelle wie Omar. Vor kurzen hatte ich ein Vorstellungsgespräch und muss jetzt warten. Die Probearbeit hat mir dort sehr gut gefallen und ich habe schon die Jugendlichen und Mitarbeiter kennengelernt.

Omar: Vor ein paar Tagen hatte ich mit meinem Chef ein Treffen und wir haben uns geeinigt, dass ich bleibe. Wenn ich ehrlich bin gefällt mir die Arbeit sehr gut, auch wenn es manchmal Probleme gibt. Ich warte jetzt noch auf den Vertrag und dann ist es sicher. Was mich dabei sehr überrascht hat ist, dass ich einen unbefristeten Vertrag bekomme. Das ist ein sehr gutes Zeichen für mich und ich bin sehr dankbar dafür.

Wie würdet ihr Deutschland heute beschreiben?

Gaby: Als ich nach Deutschland gekommen bin, habe ich mich gefühlt wie ein kleines Baby, weil ich nichts kannte. Die Sprache nicht und keine Personen. Mein Gefühl war, dass die Menschen wie eine Familie sind und ich als Frischling aufgenommen werde. Wie ein kleines Kind haben wir langsam die Sprache gelernt und wie im Kindergarten Freunde gefunden. Inzwischen fühle ich mich wie der große Bruder, der viel gelernt hat und seiner Familie etwas zurückgeben kann.

Omar: Ich bin hin und her gerissen zwischen Heimat und Zuhause. Dass es wirklich meine Heimat ist, dafür ist es noch zu früh. Oft nach dem Feierabend bei der Arbeit fragen die Kinder wo ich hin gehe und ich sage immer „nach Hause“. Dieses Wort hat sehr große Bedeutung für mich. Ich habe auch an früher gedacht, als uns hier alles fremd war. Dieses Gefühl ist jetzt wirklich sehr weit weg von mir. Wir sind nicht mehr Fremde. Wir leben hier zusammen und arbeiten hier. Früher habe ich Hilfe gebraucht und jetzt biete ich anderen die Hilfe an.

Was würdet ihr in Deutschland am liebsten ändern, wenn ihr die Möglichkeit dazu habt?

Gaby: Dass ganz Deutschland wie ein CVJM ist. Im CVJM ist die Gemeinschaft ein Traum. Der andere Punkt sind Termine. Ich mag sie zwar, aber es gibt nur noch Termine, Termine, Termine… Dein ganzes Leben besteht aus Terminen. Manchmal machen Termine es komplizierter, als es sein müsste.

 

Autor: Jonas Ott, 26, Landessekretär für Interkulturelle Öffnung