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Partnerschaft China

Erste Schritte in der chinesisch-bayerischen Partnerschaft

Oder: Was hat das Landessekretärsteam eigentlich in China gemacht?

 

Für neun Tage Ende November 2018 reiste das Landesverbands-Sekretärsteam zu einem Fachkräfteaustausch in das südliche China. Sinn und Ziel der Studienreise waren, Antworten auf folgende Fragen zu bekommen:

  1. Wie funktioniert internationaler Jugendaustausch und was bringt er für die Jugendarbeit in beiden Ländern?
  2. Wie sind internationale Partnerschaften konzipiert und was braucht man, um eine zu gründen?
  3. Wie arbeiten Kollegen in einem anderen Land unter ganz anderen Voraussetzungen? Wie entwickeln sie Programme für die Menschen vor Ort?
  4. Wie bilden sie ehren- und hauptamtliche Mitarbeitende aus? Was können wir davon lernen?
  5. Wie leben sie ihren Glauben an Jesus in einem interreligiösen Kontext, wo die Christen in der Minderheit sind?

Daneben war uns natürlich auch wichtig, als Team enger zusammen zu wachsen und die gerade frisch gegründete Partnerschaft zwischen dem CVJM Bayern und dem YMCA China mit Leben zu füllen.

 

Was haben wir gemacht?

Nach einem Tag Orientierung in der Millionenmetropole Hong Kong lernten wir mit dem Chinese YMCA of Hong Kong und seinen 85.000 Mitgliedern und 1.600 Angestellten den größten asiatischen CVJM kennen. Wir wurden vom Generalsekretär Karl Lau und seinem Team eingeführt und haben uns dann vor Ort in einem Teil der über 50 verschiedenen CVJM-Häusern die Arbeit angeschaut und kennengelernt. Danach sind wir über die Grenze nach Guangzhou mit seinen 18 Millionen Einwohnern gereist und haben drei Tage Zeit gehabt, auch dort die Arbeit kennenzulernen, aber vor allen Dingen auch mit den Leitern aus sieben chinesischen YMCAs die Partnerschaft zwischen Bayern und China zu durchdenken.

Hervorragend begleitet wurden wir die Tage über von dem deutschen CVJM-Sekretärs-Ehepaar Lea und Mario Drechsel und dem fünfköpfigen Freiwilligenteam, die vom CVJM Nürnberg nach Hong Kong entsendet worden sind. Sie haben uns maßgeblich geholfen, den Fachkräfteaustausch vorzubereiten und durchzuführen.

 

 

Befremdlich bis faszinierend

Von „befremdlich“ bis „faszinierend“ gab es täglich die verschiedensten Eindrücke. Befremdlich waren schon die Größe der Vereine und die damit verbundene Unpersönlichkeit. Auch fremd waren uns die kulturell bedingte stärkere Hierarchie und die sehr zurückhaltende Art Kritik zu äußern. Respekt und Loyalität werden in Asien auch im CVJM noch mal anders gelebt als bei uns, die mal Bewunderung, aber auch manchmal Verwunderung auslösen.

Spannend waren auch die Diskussionen, wie die YMCAs dort ihren geistlichen Auftrag umsetzen können. In Guangzhou unterliegt der YMCA starken Regulierungen, dass nur in den Kirchen und nicht im CVJM verkündigt werden darf. Faszinierend war hier zu sehen, wie von Jesus begeisterte Haupt- und Ehrenamtliche ihren Glauben in ihren Beziehungen inner- und außerhalb des CVJMs leben. In Hong Kong wiederum sind der diakonische und missionarische Arm der CVJM-Arbeit unter einem Dach, was sich bei uns in Deutschland in die klassische missionarische CVJM-Arbeit und das diakonisch geprägte Christliche Jugenddorfwerk (CJD) aufgesplittet hat. Wie bekommen sie die beiden Dimensionen missionarischer und diakonischer Arbeit zusammen? Wie leben sie das? Was gelingt aus unserer Sicht, was nicht? Was können wir daraus lernen?

Faszinierend war bei beiden CVJMs zu sehen, mit welcher Leidenschaft sie den Menschen in ihrer jeweiligen Stadt dienen. Unter dem Slogan „Serve not to be served“ schauen sie genau hin, was den Menschen vor Ort fehlt und entwickeln maßgeschneidert Programme für Menschen, die am Rande der chinesischen Gesellschaft stehen: Menschen mit Behinderungen oder Migrationshintergrund, alte Menschen, junge Leute auf der Suche nach Arbeit, Studenten im Leistungsstress und viele mehr. Diese Programme setzen sie äußerst professionell und mit viel Einsatz um.

 

 

Was haben wir gelernt?

Erstmal schlicht die Einsicht, dass CVJM-Arbeit in anderen Umständen sich anders entwickelt und ausprägt. Und dies gilt natürlich auch für unsere CVJM-Arbeit. Was brauchen die Menschen wirklich vor Ort in unseren Dörfern und Städten? Was bieten wir an? Wie setzen wir die Liebe Jesu konkret in Programme um? Wie halten wir die Spannung zwischen diakonischem und missionarischem Aspekt in unserer CVJM-Arbeit? Gibt es Möglichkeiten, die CJD- und CVJM-Arbeit vor Ort wieder stärker zusammen zu bringen? In Bayern z.B. arbeitet das CJD an sechs Standorten mit 450 Hauptamtlichen und wir kennen uns oft nicht einmal.

Sehr anregend waren auch die Programme in den großen Camps des Hong Konger YMCA. Mit Kai-Hung, der vor drei Jahren schon als Austauschsekretär im CVJM Bayern gewesen ist, tauschten sich die Landessekretäre darüber aus, wie man in CVJM-Häusern maßgeschneiderte Programme für die Gäste entwickeln kann, um sie auch inhaltlich zu erreichen. Mal schauen, was sich da konkret bei uns umsetzen lässt.

Ansteckend war die missionarische Leidenschaft einzelner Christen in den YMCAs und damit natürlich auch verbunden die Frage, wie können wir diese Leidenschaft bei uns weiter fördern.

 

Was bedeutet dies konkret für unsere CVJM-Arbeit in Bayern?

Absolut genial war es, dass wir in Guangzhou auf die Leiter aus sieben chinesischen YMCAs gestoßen sind und mit ihnen über das Verständnis von Partnerschaftsarbeit sprechen konnten. Basierend auf dem Grundverständnis, dass wir Partnerschaften von Ortsvereinen in China und Deutschland unterstützen haben wir sieben konkrete Schritte beschlossen, die uns helfen werden Ideen in die Tat umzusetzen. Wer dazu mehr lesen will:

Von daher gilt die Einladung: Wenn ein Ortsverein Interesse an einem Austausch mit chinesischen Geschwistern hat und damit seine Arbeit beleben will, bitte wendet euch an uns. Mit Lea und Mario Drechsel vor Ort und den guten Erfahrungen im Jugendaustausch der Vereine Nürnberg, München, Siegen, Hong Kong und Guangzhou kann jeder Verein die optimale Unterstützung bekommen. Ebenso wenn junge Erwachsene in Ortsvereinen Interesse haben, ein Auslandsjahr in Hong Kong zu machen, sind sie hier richtig an der Stelle.

 

Wer hat das Ganze denn bezahlt? War das nicht sehr teuer?

Das Schöne ist, dass der deutsche Staat Fachkräfteaustausch finanziell sehr großzügig unterstützt und unsere chinesischen Geschwister uns von der Unterkunft und Verpflegung her eingeladen haben. Zusammen mit einem Anteil, den die Landessekretäre selber gezahlt haben, war die Studienreise für den CVJM Bayern nicht teurer als die viertägige Herbstklausur, die wir dafür in diesem Jahr ausfallen lassen haben.

 

谢谢耶稣 - Xièxiè yēsū – Danke Jesus
Dass diese Reise mit den vielen intensiven Begegnungen möglich gewesen ist, ist für uns als Team alles andere als selbstverständlich. Neben dem Dank an Lea und Mario, an unsere chinesischen Geschwister und dem Vorstand des Landesverbandes, der uns diese Reise möglich gemacht hat, gilt es besonders Xièxiè yēsū zu sagen. Danke Jesus für deine lebendige Gemeinde in China, die wächst. Danke für die Geschwister im CVJM, die uns wie Familienmitglieder bei sich aufgenommen haben. Danke für das vielfältige Voneinander-lernen und die zukünftigen Chancen in der Partnerschaft.

 

Ein Video-Rückblick auf die Delegationsreise gibt es hier.

 

Weitere Informationen rund um die Partnerschaft.