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18.08.2017 17:32 Alter: 116 days
Kategorie: CVJM-Magazin, Allgemein

Vorgeschmack aufs Magazinthema "MACHT!"

Schweden wir kommen! – oder nicht?


Neben der Freizeit, stand auch die Stimmung auf der Kippe. Wie das Bild verrät, war am Ende beides wieder im Lot.

Die kommende Magazinausgabe trägt den Titel "Macht" (Mitte September zusammen mit dem neuen Freizeitprospekt bei euch im Briefkasten). Dieser Artikel erscheint darin nicht, sondern ist ein guter Vorgeschmack auf einige Artikel aus Ortsvereinen (Manfred Dorsch und Helena Bauer aus dem CVJM Gemünden, Bastian Wellhöfer aus dem CVJM Leutershausen), die das Thema behandeln.


Marcus Mühlnikel

CVJM Bindlach

Das hatten wir uns eigentlich ganz anders vorgestellt, als wir uns vor einem knappen Jahr dazu entschlossen hatten, eine Freizeit nach Schweden für Junge Erwachsene durchzuführen. Die Euphorie in unseren Gremien war damals ziemlich groß gewesen. Gemeinsam wollten wir uns auf den Weg machen, uns nicht an irgendeine große Reisegruppe anschließen, sondern eine eigene Vereinsfreizeit organisieren, bei der man Beziehungen pflegen, mehr voneinander erfahren und Gottes Nähe erleben kann. Im Juni 2017, zwei Monate vor Freizeitbeginn, hatte uns die Realität eingeholt. Von den einst Begeisterten war nur noch eine kleine Gruppe übriggeblieben. Ein angehender Hauptamtlicher, der bereits zugesagt hatte, war zwischenzeitlich auch abgesprungen – kurz: Es sah nicht gut aus. Die Freizeit drohte, ein finanzielles Desaster zu werden und – was wesentlich schlimmer war – nachhaltige Schäden in unserem Verein anzurichten.  

Im Lauf meiner Tätigkeit als Vorsitzender eines mittelgroßen CVJM hatte ich schon Einiges erlebt und viel gelernt, doch in dieser Situation fühlte ich mich überfordert und ohnmächtig. Dass die Freizeit vielleicht nicht stattfinden würde, war das eine. Bedrohlicher waren hingegen die Fragen, die sich zwangsläufig stellten: Welche Qualität hat unsere Gemeinschaft? Sind wir lediglich eine Spaßgemeinschaft oder halten wir auch zusammen, wenn es eng wird? Wer ist da, wenn man ihn wirklich braucht? Bin ich hier vielleicht fehl am Platz?

Jeder, der schon einmal eine Leitungsfunktion im CVJM oder auch in anderen Gruppierungen innehatte, kennt wahrscheinlich dies Fragen, kennt Situationen der Ohnmacht, der Hilflosigkeit, der Enttäuschung und des Selbstzweifels. Doch wie geht man damit um?

Mit anderen sprechen 
Der Blick von außen auf eine scheinbar festgefahrene Situation ist sehr viel wert. Ein kompetenter und möglichst objektiver Gesprächspartner hilft dabei, die Lage zu beurteilen und eventuell neu einzuschätzen. Im Idealfall gibt er auch hilfreiche Tipps für das weitere Vorgehen. Wir müssen uns davon verabschieden, es als Schwäche auszulegen, wenn jemand um Rat und Hilfe fragt.

Gebetsspaziergang 
Wenn es gar nicht mehr geht, mache ich mich auf den Weg. Ich gehe vor Gott alle Situationen und Menschen durch, mit denen ich gerade ein Problem habe. Meine Erfahrung dabei ist, dass meine Situation vorerst unverändert bleibt, Gott aber meine Einstellung auf dem Weg ändert. Ich kann wieder unvoreingenommen auf einzelne zugehen. Es fällt mir leichter, mit Enttäuschungen umzugehen und zu verzeihen.

Mit neuem Blick. Das Gespräch mit Gott und mit Vertrauenspersonen hilft, Dinge neu oder anders zu sehen. Zum Beispiel konnte ich mich jetzt darüber freuen, dass es ja einige Mitarbeiter gab, die sich von Anfang an klar für die Freizeit entschieden und sich auch sehr früh angemeldet hatten. Eine weitere Erkenntnis war, dass Leitungsfunktionen zwangsläufig mit Enttäuschungen verbunden sind. In gewisser Weise war die Situation in unserem Verein also „normal“. Schließlich wurde aus den Erfahrungen eine neue Diskussion über die Qualität unserer Gemeinschaft im CVJM angestoßen, die immer noch weitergeführt wird.    

Die Freizeit fand übrigens statt. Neben einigen weiteren Jungen Erwachsenen hatte sich im Juli eine befreundete sechsköpfige Familie angemeldet und wir konnten die finanzielle Bilanz mit 27 Euro auf der Habenseite schließen. Die zehn Tage im schwedischen Sommer gaben aber auch nachhaltige Impulse für unseren Verein und die Erkenntnis: Gott wirkt mächtig in unserer Ohnmacht.