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29.09.2017 05:40 Alter: 18 days
Kategorie: Allgemein

"1 gewesen" – auf dem CVJM-Burgfest

Kai Günther hat's mit Füßen und Schuhen – Sponsorenläufer knacken Vorjahresergebnis –Spalt und Bezirk Mittelfranken fördern die Burg – BJR überreicht VIEL-Preis für Integration.


Kai Günther wäscht Besuchern die Füße: Einander dienen, damit Jesus sichtbar wird.

Beim "meinebeinedeinescheine"-Sponsorenlauf kamen über 10.000 Euro zusammen.

Etwa 700 Teilnehmer aus allen Generationen feierten das Burgfest zusammen.

Gut gelaunt: Ein Teil des Burgfest-Teams.

Der Präsident des BJR Matthias Fack überreicht den VIEL-Integrationspreis für "Bonds of peace", das internationale Y-Camp des CVJM Bayern.

"Die Burg list uns wichtig!" Der Spalter Bürgermeister überreicht 100.000 Euro von der Stadt Wernfels. Mittelfrankens Bezirkspräsident Richard Bartsch erhöht um 30.000 Euro.

Nürnberg/Spalt 22.-24. September 2017

(Links zu den Bildergalerien am Artikelende)

„1 sein“ prangt auf Programmheften und Liedblättern. Deutschlands bestbelegte Jugendherberge und gleichzeitig seit vielen Jahrzehnten das geografische Herz der CVJM Bayern-Arbeit, die CVJM-Burg Wernfels, ist beim diesjährigen Burgfest wieder mit Leben gefüllt. Zwei Botschaften hat Kai Günther, Evangelist des CVJM Baden und „Jesushouse-Gesicht“ für die knapp 700 Teilnehmer/-innen aus den über hundert Ortsvereinen dabei. Drei Mutige brauche er auf der Bühne, eröffnet er am Samstagabend. Was die wohl alles machen müssen? Auf jeden Fall erstmal hinsetzen und dann … nichts tun. Günther weiß, dass sie an diesem Tag mit großer Wahrscheinlichkeit am Fußballcup und dem Sponsorenlauf für die Burg Wernfels teilgenommen haben. Und trotzdem oder gerade deswegen tut er, was Jesus tat (Joh 13, 1-15): Günther bindet sich eine Sklavenschürze  („ein leinenes Tuch“ V4) um, kniet vor ihnen und wäscht ihnen die Füße – in aller Ruhe und mit großer Selbstverständlichkeit.

Dass es Mut erfordert, sich auf dieser Ebene dienen zu lassen, das kann man an den irritierten Gesichtern der Fußwaschkandidaten ablesen, die bis zuletzt mit sich ringen, ob sie die Waschung wirklich zulassen wollen – sie tun es. „Jesus, dient uns, er tut alles für uns, er vergibt uns, aber er beauftragt uns auch, in der Welt einen Unterschied zu machen.“ Günther wolle diesem Auftrag nachkommen. Nicht wegen Jesu Heldentaten, sondern weil ihn vor allem dessen Dienst so beeindrucke.

Wie dieser Auftrag noch aussehen kann, ergänzt er am Sonntagmorgen. Er betritt die Bühne mit unterschiedlichen Schuhen und entnimmt seinem Rucksack weitere Schuhe, von denen keiner zum anderen passt, legt sie vor sich auf den Tisch. Es ist wieder ein starkes Bild: Es komme nicht darauf an, wie die Schuhe aussähen und ob sie zusammenpassten, sondern nur darauf, wer in ihnen stecke. Solange dies Jesus sei, seien wir eins, gehörten zusammen. Das sei wie bei Geschwistern: Man müsse nicht befreundet sein, sei aber in aller Unterschiedlichkeit gemeinsam unterwegs. Bei Schwierigkeiten mit Geschwistern helfe es, sich daran zu erinnern, dass Gott auch „in ihren Schuhen“ stecke. Christus habe seinen Leib und sein Blut für alle gleich gegeben. Wenn das Bild entstünde, dass Christen zwar einzigartig seien, im Guten und weniger Guten, dass aber beeindruckend sei, wie wertschätzend und sich unterstützend sie miteinander umgingen – dann sei der am Vorabend postulierte Unterschied geschafft. „Wir sind eins“ singt das Front-Duo der Hersbrucker Band Rohdiamant, deren vielleicht markantestes Merkmal neben eingängigen Rhythmen und Stadionrocklinien der Kontrast zwischen der samtenen Stimme von Esther Odefey und der Reibeisen-Röhre Valentin Maschkes ist.

Miteinander in aller Unterschiedlichkeit unterwegs sein, das werde im CVJM Bayern schon gelebt, bezeugt Clemens Schlosser. Er wird zukünftig die Verantwortung für die Jungenarbeit und Erlebnispädagogik auf der Burg Wernfels übernehmen. Schlosser weiß zwar, dass sich die weltweite CVJM-Bewegung als überkonfessionelle Organisation versteht. Das geht schon aus ihrem Gründungsdokument hervor, der Pariser Basis von 1855 und der CVJM-Weltbundlosung „Damit sie alle eins seien“ (Joh 17, 21). Er weiß aber auch, dass der bayerische CVJM aus historischen Gründen eher im evangelischen Kontext steht. Daher sei er verblüfft gewesen, dass seine eigene katholische Prägung vom ersten Kontakt mit dem CVJM Bayern bis zum jetzigen Moment kein einziges Mal angesprochen worden sei, sondern ausschließlich seine Herzenshaltung eine Rolle gespielt habe. Im Anschluss segnen Generalsekretär Michael Götz und Mitglieder des Vorstands (unter Leitung der Vorsitzenden Carola Welker) neben Schlosser auch viele weitere neue Hauptamtliche und FSJler aus der Landesverbands- und Ortsvereinsarbeit. Viele Anwesende treten dazu, segnen mit, umarmen „die neuen“.                                                                                                                                                                    

Der Präsident des Bayerischen Jugendrings, Matthias Fack, zeigt sich am Nachmittag erfreut über das „1 sein“ des CVJM Bayern in Belangen der Integrationsarbeit mit Geflüchteten. Er ist eigens angereist, um den VIEL-Integrationspreis für die letztjährige internationale Freizeit „Bonds of Peace“ zu überreichen. Beeindruckend sei gewesen, dass neben den einheimischen Teilnehmenden auch die internationalen Gäste und vor allem viele Geflüchtete von der ersten Planung bis zur Durchführung des Camps am Waginger See intensiv beteiligt worden seien. Die tiefstapelnde Form der Bewerbung habe er persönlich als sehr angenehm empfunden. Die 2.500 Euro Preisgeld fließen in das Team Integration und Geflüchtete, das letztes Jahr gegründet wurde ein und das gerade erweitert wird. 2018 steht schon wieder ein internationales Camp an.

Dass das Burgfest in diesem Jahr so reibungslos funktioniert, ist nicht selbstverständlich. Vor der Burg steht ein riesiger Kran, Gerüste schmiegen sich an das mittelalterliche Gemäuer. Die Burg wird brandschutzsaniert, Teile des Dachgeschosses sind nicht zugänglich. „1 sein“ wird aber auch hier deutlich: Die CVJMer spenden treu, erlaufen auch hier beim Sponsorenlauf über 10.000 Euro. Allein der Sponsorenkönig Andrew S. kommt auf über 1000 Euro Sponsorengelder. Selbst verdiene er nur wenige hundert Euro im Monat, aber die Burg sei ihm sehr wichtig, hier habe er eine Heimat gefunden, sagt er später. „Wir sind dankbar für jede Spende und jedes zinslose Darlehen. Alleine könnten wir die Aufgabe niemals stemmen“, sagt der Geschäftsführer des CVJM Bayern, Hans-Helmut Heller. Er ist dankbar, dass es neben der evangelische Kirche in Bayern auch von der politischen Seite Unterstützung gibt: Das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, der Bayerischen Landesstiftung und der Landkreis Roth beteiligen sich an den Kosten. Der Spalter Bürgermeister (Wernfels gehört zur Hopfenstadt Spalt) ist sogar persönlich vorbeigekommen. „Die Burg ist wertvoll für uns“, sagt er und hebt einen 100.000 Euro-Scheck in die Höhe. „Ich habe einen kleineren Betrag für euch dabei, dafür einen größeren Scheck, damit sich das ausgleicht“, scherzt daraufhin der Präsident des Bezirks Mittelfranken, Richard Bartsch, gekonnt. Alles lacht. 30.000 Euro sind es – und jeder Euro eine echte Hilfe. Eine Baustellenbegehung mit Burgleiter Gottfried Sennert offenbart zwar augenscheinliche Fortschritte – massive Stahlträger und dicke Schichtholzplatten unterstützen die Balken, die ihren Dienst so viele Jahrhunderte getan haben. Sennert lächelt  – zum Lachen ist ihm allerdings nicht zumute. Das Projekt sei natürlich nicht einfach, hier und kommen neue bauliche Herausforderungen dazu, die vorher noch nicht abzusehen waren. Gerade fallen einige Mitarbeiter eines Gewerks für voraussichtlich längere Zeit aus. Da sie für den anstehenden Bauabschnitt zuständig sind, steht die Baustelle still. Doch Sennerts Gottvertrauen gibt ihm Ruhe: „Die Belegung ist stabil, der Baubetrieb stört den Gäste-Aufenthalt nicht, es hat sich jedenfalls noch niemand darüber beschwert – mit Gottes Hilfe schaffen wir das.“

„1 sein“, das kann man am Sonntagnachmittag auch beim altersmäßig gut durchmischten „Treffen der Generationen“ beobachten. Jugendliche bilden Trauben um Lebenserfahrene, stellen ihnen Fragen zu deren Träumen, Lebenswegen, ihren Umgang mit Erfolg, Scheitern und geistlichen Herausforderungen. Das Ganze wirkt organisch. Niemand läuft weg, niemand wurde gebrieft. Überall interessierte Gesichter.

„1 sein“, das zeigt sich vielleicht am eindrücklichsten, als das gesamte Programm vorbei ist. Die meisten stehen auf, klappen ihre Sitzgelegenheit zusammen und bringen sie zum Stapel, andere bieten woanders ihre Hilfe zum Abbau an und bleiben bis zum Schluss. Teilweise entsteht beinahe ein Helfer/-innen-Stau. Der Unterschied – hier ist er gerade ein Stück weit erfahrbar.

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