Aktuelles-Detailansicht

06.12.2017 17:09 Alter: 6 days
Kategorie: Allgemein, CVJM-Magazin

Eine CVJM-Lebensgeschichte. Vorgeschmack auf das CVJM-Magazin „Marke sein“ (1/18, erscheint kurz vor Weihnachten)


"Marke sein" was bedeutet das? Was macht das aus? Was verbinden Menschen mit der Marke CVJM und wie sind sie mit ihr verbunden? Mit diesen Fragen befasst sich das kommende CVJM-Magazin. Im nächsten Magazin kommen viele jüngere Menschen zu Wort. Aber über die Wurzeln wissen ältere CVJMer mehr erzählen und erkennen Entwicklungen, die uns oft nicht bewusst sind.
Erik Sand, Sekretär des CVJM Allgäu befragte zwei gereifte CVJMer, nach dem CVJM in ihren Lebenswegen und wie sie ihn heute sehen. Ein Gespräch erscheint im Magazin, das zweite hier online.

 

„Damals gab es noch keine 30 Gänge“

Erik Sand, Sekretär des CVJM Allgäu 
Nach einem Gespräch mit Norbert Schwarzer, CVJM Memmingen

Nach Memmingen kam Norbert erst 1953 als kleiner Junge. Seine Eltern flohen aus Schlesien in den Osten Deutschlands. Nach nur zwei Jahren in der DDR zogen seine Mutter und er nach Memmingen.

Nachdem Norbert die ersten Berührungen mit dem CVJM hatte, kam der damalige Sekretär des CVJM Memmingen bei ihnen vorbei, klingelte an der Haustür und lud Norbert ein, mitzuarbeiten. Das war der Start zu 20 Jahren Jugendarbeit, ab diesem Zeitpunkt verschrieb sich Norbert dem CVJM.

Als er 19 war, fuhren die jungen CVJMer mit ihren Fahrrädern von Memmingen an den Lago Maggiore nach Italien. Damals hatte er noch ein 3 Gang Fahrrad, was die Reise aus heutiger Sicht erschwerte. „Dabei war ich damit noch besser ausgestattet als die meisten anderen Teilnehmer“, sagt Norbert mit einem Lächeln im Gesicht „Damals gab es noch keine 30 Gänge und E-Bikes“. Diese Fahrt nach Italien zählt zu Norberts kostbarsten Erinnerungen seiner CVJM-Vergangenheit. Er vermisst diese Freizeiten, bei denen man gemeinsam die Natur genießen könne und dies genauso so wichtig sei wie das Miteinander. Dieses gehöre für ihn zum Dreiklang des CVJM dazu.

Norbert war über 30 Jahre lang Vorstandsmitglied im CVJM Memmingen und davon 14 Jahre lang Vorsitzender. Heute beschreibt er sich selbst als „graue Eminenz im Hintergrund“ und gesteht sich ein, dass es gar nicht so einfach sei, seinen Nachfolgern das Feld zu überlassen. Schließlich war er zum Beispiel maßgeblich am neuen CVJM-Haus beteiligt. Vor ungefähr 20 Jahren erbte der Verein eine große Summe. Dies ermöglichte den ersten Schritt hin zum neuen und größeren Vereinsheim. Durch die Unterstützung der Landeskirche, des Kreisjugendrings und privater Spender konnten sie dieses Riesenprojekt gemeinsam Stemmen. Ohne die rund 5000 erbrachten Arbeitsstunden ihrer Vereinsmitglieder, hätten sie das Haus trotz allem nicht bauen können. In diesem Projekt sahen sie sich durch Gott geführt und schließlich auch bestätigt. Nach nur drei Jahren war das Millionenprojekt schuldenfrei. Diese hohe Bereitschaft zur Eigenleistung beeindruckt ihn noch heute und macht ihn sehr dankbar.

Heute vermisst Norbert das verbindliche Engagement etwas. Der CVJM habe nicht mehr so viel Raum im Leben der Mitglieder. Darauf sollte der Landesverband in seinen Schulungen eingehen, empfiehlt Norbert. Vor allem aber sollten junge Mitarbeiter dort lernen, auf was es in der Jugendarbeit vor allem ankommt: „persönliche Beziehungen“, sie seien das „A und O“. Seine Schützlinge zu Hause besuchen und persönlich nachfragen, warum sie nicht mehr kommen –  so etwas werde ja heute nicht mehr gemacht. Er selbst habe solche Gespräche geführt, zu seiner Zeit sei das normal gewesen. Bei den Schulungen auf der CVJM-Burg Wernfels lerne man aber nicht nur etwas darüber, wie man mit seinen Jungscharlern umgeht. Durch die Prägung, die er dort erfuhr, entstand auch seine Sicht auf seine zukünftige Frau. Sie sollte unbedingt die  gleiche geistliche Basis haben, dann funktioniere eine Ehe besonders gut (Anmerkung der Redaktion: Das kann kein Zufall sein, dass die „verliebt, verlobt ...“ Seminare seit Jahren von ehrenamtlichen Mitarbeitenden Ehepaaren aus dem Allgäu, Kuchenreuther und Pfindel, geleitet werden. 2018: 16.-18.03. im Allgäu).

Norbert kann sich ein Leben ohne den CVJM nicht vorstellen, weil es schon immer dazu gehört hat. Daher fallen ihm Änderungen in seinem Verein manchmal auch nicht leicht. Er ist heute noch immer ein aktives Mitglied und bringt sich ein wo er gebraucht wird. Das macht er noch immer für sein Leben gern.

Norbert Schwarzer wohnt in Memmingen, ist 72 Jahre alt und verheiratet. Er war bis zu seiner Pensionierung vor 10 Jahren Sachgebietsleiter des Finanzamts Memmingen.